Veröffentlichungen

Veröffentlichungen der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945 – 1968

herausgegeben von Jost Dülffer, Klaus-Dietmar Henke, Wolfgang Krieger, Rolf-Dieter Müller

 

Band 4

Sabrina Nowack: Sicherheitsrisiko NS-Belastung. Personalüberprüfungen im Bundesnachrichtendienst in den 1960er Jahren, Ch. Links Verlag: Berlin 2016.

Die Studie widmet sich einer internen, von der Politik erzwungenen Personalüberprüfung im BND. Zwanzig Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches wurde individuelle NS-Belastung hauptsächlich als mögliches Sicherheitsrisiko betrachtet. Zwar entließ der BND 68 von 157 überprüften Mitarbeitern, doch bekamen es die Verantwortlichen nicht nur bei den Überprüfungen selbst, sondern auch beim Umgang mit deren Ergebnissen mit Problemen zu tun, die keine wirkliche »Selbstreinigung« gestatteten. Widerstände regten sich dabei nicht allein in der BND-Zentrale in Pullach, sondern auch bei der Bundesregierung in Bonn.

Band 3

Ronny Heidenreich, Daniela Münkel, Elke Stadelmann-Wenz: Geheimdienstkrieg in Deutschland. Die Konfrontation von DDR-Staatssicherheit und Organisation Gehlen im Herbst 1953, Ch. Links Verlag: Berlin 2016.

Der Kalte Krieg war auch ein Krieg der Geheimdienste. Erstmals zeigen bislang völlig unbekannte Akten des Bundesnachrichtendienstes und der Staatssicherheit, welche Hintergründe, Ziele und vor allem Folgen der erste von Ost-Berlin geführte »konzentrierte Schlag« gegen die Organisation Gehlen im Herbst 1953 hatte. Betroffen waren mehrere hundert verhaftete vermeintliche Spione in der DDR, deren Schicksal im Spiegel beider Geheimdienste beleuchtet wird. Dieser Geheimdienstkrieg spielte sich nicht im Verborgenen ab. Die Staatssicherheit versuchte mit einer bis dahin beispiellosen Medienkampagne, den Gehlen-Dienst öffentlich zu diskreditieren. Konnte die Stasi die Operation als »Erfolg« für sich verbuchen, musste der künftige Bundesnachrichtendienst Ende 1953 nicht nur Sicherheitsprobleme beheben, sondern auch das eigene Ansehen im Bundeskanzleramt, bei der CIA und in der westdeutschen Öffentlichkeit wiederherstellen.

Band 2

Gerhard Sälter: Phantome des Kalten Krieges. Die Organisation Gehlen und die Wiederbelebung des Gestapo-Feindbildes “Rote Kapelle”, Ch. Links Verlag: Berlin 2016.

Die Organisation Gehlen übernahm mit dem Personal aus Gestapo und anderen NS-Behörden einige ihrer Feindbilder. Neu formiert unter den Vorzeichen des Kalten Krieges, führte sie bis in die sechziger Jahre hinein ausgedehnte Ermittlungen gegen eine nicht existierende kommunistische Spionageorganisation: die neu erstandene »Rote Kapelle«. Tatsächlich ermittelte sie gegen Überlebende aus dem Widerstand, die aus den Lagern und Zuchthäusern der Nationalsozialisten oder dem Exil zurückgekehrt waren und es ernst meinten mit dem demokratischen Neuanfang. Den Männern, die sich aus verantwortlichen Positionen des NS-Regimes in den Gehlen-Dienst gerettet hatten, diente die Wiederbelebung des Gestapo-Mythos dazu, die NS-Gegner zu denunzieren, um sie vom öffentlichen Leben fernzuhalten und die Furcht vor kommunistischer Unterwanderung zu schüren, um so ihr eigenes institutionelles Überleben abzusichern.

Band 1

Christoph Rass: Das Sozialprofil des Bundesnachrichtendienstes. Von den Anfängen bis 1968, Ch. Links Verlag: Berlin 2016.

Dieses Buch gibt Antwort auf die Frage, wie biografische Prägungen aus der Zeit des Dritten Reiches den BND von den Anfängen 1946 bis 1968 beeinflusst haben. Auf der Grundlage von 3650 Lebensläufen rekonstruiert es darüber hinaus die soziale Zusammensetzung des Geheimdienstes und deren Veränderungen mit größter Detailschärfe über zwei Jahrzehnte hinweg. Die Studie bietet keine »Agentengeschichten«, sondern eine strukturanalytische Untersuchung der personellen Zusammensetzung einer wichtigen Behörde der jungen Bundesrepublik
und gibt einen tiefen Einblick in das Nachwirken der NS-Zeit. Mit dieser empirisch gut abgesicherten Sozialprofilanalyse liegt eine bislang einzigartige Grundlage für ein differenziertes Verständnis des Innenlebens eines Geheimdienstes vor.

 

Studien

herausgegeben von Jost Dülffer, Klaus-Dietmar Henke, Wolfgang Krieger, Rolf-Dieter Müller

Redaktion: Andreas Hilger, Sabrina Nowack, Gerhard Sälter

Gegen Zusendung eines ausreichend frankierten und adressierten Rückumschlages (DIN A 4) erhalten Sie ein Druckexemplar zugesandt.

Alle Studien sind hier im PDF-Format aufrufbar.

Nr. 5

Jost Dülffer: Pullach intern. Innenpolitischer Umbruch, Geschichtspolitik des BND und “Der Spiegel”, 1969-1972, Marburg 2015.

1971 erschien im „Spiegel“ die Serie „Pullach intern“, die als erste kritische Darstellung des Bundesnachrichtendienstes gilt. Jedoch hatte der BND die Autoren seit 1969 im Rahmen einer aktiven Medienpolitik intensiv beraten und mit Material versorgt, um eine positive Darstellung zu bewirken. Die Geschichtspolitik des BND, welche die Billigung des Kanzleramts hatte, führte angesichts des Wechsels zur sozialliberalen Koalition zu einer innenpolitischen Zerreißprobe. Da die Einflussnahme des BND weniger erfolgreich war als erhofft, geriet der Geheimdienst zwischen die politisch aufgeheizten Bonner Fronten. Die Serie wurde Gegenstand einer intensiven politischen Debatte, als die CDU/CSU-Opposition den von ihr mitgeprägten Dienst angriff, um die SPD-Regierung zu treffen. Gleichzeitig werden Bruchlinien im BND sichtbar, die nach dem Wechsel des Präsidenten und dem Machtwechsel in Bonn entstanden waren.

Jost Dülffer: Pullach intern. Innenpolitischer Umbruch, Geschichtspolitik des BND und “Der Spiegel”, 1969-1972. (pdf)

 

Nr. 4

Andreas Hilger, Armin Müller: “Das ist kein Gerücht, sondern echt.” Der BND und der “Prager Frühling” 1968, Marburg 2014.

In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 rückten Truppen des Warschauer Pakts in der Tschechoslowakei ein und beendeten gewaltsam den „Prager Frühling“. Vorangegangen waren Monate politischer und militärischer Spannungen. In dieser Situation war der BND gefordert, das politische und militärische Bonn minuziös über die Geschehnisse in der CSSR und den osteuropäischen Hauptstädten zu informieren. Die Studie beschreibt die Anstrengungen des bundesdeutschen Auslands-nachrichtendienstes, in den Krisenmonaten substanzielle Informationen zu beschaffen, umfassende Analysen der Geschehnisse vorzulegen und verlässliche Prognosen aufzustellen. In der Konkurrenz zu Beobachtern und Analysten des Verteidigungsministeriums und des Auswärtigen Amtes konnte der BND nur in Teilaspekten zusätzliche valide Informationen bereitstellen. Für eine Beurteilung der Fragen nach der Wahrscheinlichkeit, den Intentionen, des genauen Zeitpunkts und den unmittelbaren Folgen einer bewaffneten Intervention Moskaus erwiesen sich die Pullacher Möglichkeiten als begrenzt.

Andreas Hilger, Armin Müller: “Das ist kein Gerücht, sondern echt.” Der BND und der “Prager Frühling” 1968. (pdf)

 

Nr. 3

Agilolf Keßelring: Die Organisation Gehlen und die Verteidigung Westdeutschlands. Alte Elitedivisionen und neue Militärstrukturen, 1949-1953, Marburg 2014.

Die Organisation Gehlen, der Vorgänger des Bundesnachrichtendienstes, baute im Auftrag der USA und mit Wissen der deutschen Regierung im Südwesten Deutschlands eine geheime Verteidigungsorganisation auf. Die Operation unter dem Decknamen „Unternehmen Versicherungen“ bediente sich des Führungspersonals ausgesuchter ehemaliger Elitedivisionen der Wehrmacht. Damit existierte bereits mehrere Jahre vor der Aufstellung der Bundeswehr, zwischen 1949 und 1953, ein milizartig gekadertes Armeekorps. Im Falle eines Angriffs der Sowjetunion oder von DDR-Verbänden sollte es aktiviert und mit Mannschaften, Waffen und Material voll aufgestellt werden, um der Bundesregierung als Exilarmee bei der Rückeroberung ihres Staatsgebietes zu dienen. Der Forschung war die Existenz dieser Verteidigungsstrukturen unbekannt geblieben.

Agilolf Keßelring: Die Organisation Gehlen und die Verteidigung Westdeutschlands. Alte Elitedivisionen und neue Militärstrukturen, 1949-1953. (pdf)

 

Nr. 2

Unabhängige Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945-1968 (Hg.): Die Geschichte der Organisation Gehlen und des BND 1945-1968: Umrisse und Einblicke. Dokumentation der Tagung am 2. Dezember 2013, Marburg 2014. 

Die Unabhängige Historikerkommission erforscht die Geschichte des Bundesnachrichtendienstes unter der Ägide Reinhard Gehlens in den Jahren 1945 bis 1968. Die Arbeiten sollen 2016 im Wesentlichen abgeschlossen sein. Die Kommission widmet sich nicht nur der Frage nach den personellen Kontinuitäten zur NS-Zeit, sondern versucht, ein möglichst umfassendes Bild von der Tätigkeit der Organisation Gehlen und des Bundes-nachrichtendienstes zu geben. Zwei Jahre nach der Aufnahme ihrer Forschungsarbeiten hat die Unabhängige Historikerkommission in einem öffentlichen Kolloquium einige Arbeitsproben und Zwischenergebnisse zur Diskussion gestellt, die in diesem Band versammelt sind. Sie sollen einen Eindruck von der Anlage und der Arbeitsweise des Projekts vermitteln und bereits erkennen lassen, welche Ergebnisse auf einem Terrain erwartet werden können, das der Geschichtswissenschaft bisher unzugänglich gewesen ist.

Unabhängige Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945-1968 (Hg.): Die Geschichte der Organisation Gehlen und des BND 1945-1968: Umrisse und Einblicke. Dokumentation der Tagung am 2. Dezember 2013. (pdf)

 

Nr. 1

Ronny Heidenreich: Die Organisation Gehlen und der Volksaufstand am 17. Juni 1953, Marburg 2013.

Am 17. Juni 1953 kam es in der DDR zur ersten großen Erhebung im sowjetischen Machtbereich nach Kriegsende. Für die meisten Geheimdienste in Ost und West brach der Volksaufstand überraschend aus. Die Studie zeigt, wie die Organisation Gehlen die Lage in der DDR vor und während der Unruhen analysierte und welche Auswirkungen die Berichte aus Pullach auf die Wahrnehmung der Ereignisse durch die Bundesregierung und den amerikanischen Geheimdienst CIA hatten. Der Volksaufstand am 17. Juni wurde damit zu einem wichtigen Prüfstein, an dem schlaglichtartig die Möglichkeiten und Grenzen der DDR-Spionage des Gehlen-Dienstes in den frühen 1950er Jahren aufscheinen. Für die Behauptung der SED-Führung, die Vorläuferorganisation des Bundesnachrichtendienstes sei an den Unruhen beteiligt gewesen, finden sich in den erstmals ausgewerteten BND-Akten keinerlei Beweise.

Ronny Heidenreich: Die Organisation Gehlen und der Volksaufstand am 17. Juni 1953. (pdf)